Südtirol: Auf ein Glas mit Hannes Rottensteiner

Südtirol ist manchmal ein eigenwilliges Weinland – vor einem überwältigenden Alpenpanorama wachsen hier teilweise einzigartige Rebsorten wie Lagrein und Vernatsch. Eine Perle des Weinbaus in der nördlichsten Region Italiens ist das Haus Rottensteiner mit seinen wunderbaren Lagenweinen voll von Charakter und einer wunderbaren Mineralität. Hannes Rottensteiner ist der Patriarch des Familienbetriebs aus Bozen. Wir haben mit ihm über die Besonderheiten seiner Weine gesprochen. 

Hier geht es zu den Weinen von Familie Rottensteiner!

Winzer-Familie im Weingarten
Familie Rottensteiner im Weingarten

Das Weingut Rottensteiner befindet sich in Südtirol am südlichen Rand der Alpen. Was macht diese Region so besonders?

Südtirol befindet sich an der Südseite des Alpenhauptkammes – und so vermischt sich hier das mediterrane mit dem alpinen Klima auf eine einzigartige Art und Weise. Sonnige, warme Tage und kühle, erfrischende Nächte verleihen den Weinen aus Südtirol eine klare, angenehme Frucht, einen vollen Körper sowie feine Frische und viel Mineralität.

Judith und Hannes Rottensteiner

In Weingut Rottensteiner packt jeder mit an und die gesamte Familie arbeitet sehr eng zusammen. Woher kommt eigentlich deine Leidenschaft für den Wein?

Es stimmt schon, was man sagt:

In einem Weingut wie dem unseren wurde einem die Leidenschaft in die Wiege gelegt. Wein nimmt in der Familie einen besonderen Stellenwert ein und man lernt von klein auf Leute kennen, die diese Leidenschaft teilen.
So ist der Schritt zum Winzer dann eigentlich nur mehr winzig klein.

Wie würdest du die Philosophie beschreiben, die hinter der Arbeit des Weinguts Rottensteiner steht?

Als Weingut trägt man auch eine gewisse Verantwortung. Man ist Botschafter für das eigene Weinland und man hat dafür zu sorgen, dass hier auch noch viele Generationen später Weinbau betrieben werden kann – ganz gleich, ob man nun die ökologischen oder aber die ökonomischen Gesichtspunkte im Fokus hat. Wir finden, dass ein elegant-fruchtiger und angenehm trinkbarer Weinstil am besten zu Südtirol passt.

Die Etiketten eurer Flaschen schmückt ja vor allem ein Tier – der Steinbock. Wofür genau steht denn das Wappentier? 

Eigentlich ist das heute nur mehr schwer nachzuvollziehen. Der Steinbock über den drei Berggipfeln ist schon seit Jahrhunderten das Familienwappen der Rottensteiners. Dass man dann dieses majestätische, für die Region charakteristische und zugleich temperamentvolle Tier auch auf den Flaschen verewigt, war äußerst naheliegend. Denn so wie der Steinbock sollen auch unsere Weine sein – vornehm und gleichzeitig temperamentvoll.

Nicht alle Trauben für eure Tropfen stammen ja von den eigenen Weinbergen. Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit den anderen Höfen?

Das hat eine wirklich grundlegende Bedeutung. Die meisten unserer Bauern versorgen uns ja schon in zweiter oder dritter Generation mit ihren Trauben. Und so fühlen wir uns gegenseitig verbunden und kennen die Lagen, Böden sowie Mikroklimata der einzelnen Höfe. Vor allem kennen wir uns aber als Menschen: wir wissen, wie jeder einzelne Weinbauer denkt und welche Projekte man mit ihm umsetzen kann. Letztendlich ist es ja auch einerlei, wessen Name im Grundbuch steht. Wichtig ist, dass im Weinberg gut gearbeitet wird.

Bei der Weinernte
Bei der Weinernte

Wie würdest du die Südtiroler Weine allgemein beschreiben?

Aufgrund der großen Sortenvielfalt ist diese Frage freilich nicht so einfach zu beantworten. Insbesondere, da beispielsweise der Gewürztraminer in seiner Opulenz in gewisser Weise im Gegensatz zum üblichen Südtiroler Stil steht. Und trotzdem ist er natürlich eine typische Rebsorte der Region. Ich denke aber, dass Südtiroler Weine doch für Klarheit, Eleganz und eine salzige Mineralität stehen.

In Südtirol gibt es ja einige ganz besondere Rebsorten, die man sonst kaum in der Welt findet – denken wir hier einmal vor allem an den Lagrein. Zu welcher habt ihr denn eine ganz besondere Beziehung?

Besonders als Bozner sind dies zumeist zwei Sorten. Gries, das mittlerweile ein Stadtteil von Bozen ist, wird als Wiege des Lagrein angesehen. Beinahe jedes Stückchen Grün in diesem Viertel ist mit unserer roten Parade-Rebsorte bepflanzt. Und es ist wohl auch die beste Lage für die Trauben. Hier bündelt sich in gewisser Weise der Kampf gegen die Urbanisierung und das Bestreben, die besten Lagen für kommende Generationen zu sichern. Der Vernatsch hingegen, der an den Hügeln um Bozen als St. Magdalener bekannt ist, ist eine ziemlich einzigartige Rebsorte. Seine Weine zeigen sich in einer hellen Farbe und er hat nur wenig Gerbstoffe. Leider wird er dadurch oft als banal angesehen, was er aber definitiv nicht ist.

In den Bergen: Weinbau in Südtirol

Eure Weine unterteilen sich in verschiedene Produktlinien. Welches Konzept steht da dahinter?

Die Classic-Linie umfasst sämtliche Rebsorten, die wir im Anbau haben. Diese Weine sollen elegant und vor allem angenehm zu trinken sein. Und natürlich soll jede verwendete Traubensorte klar zu erkennen sein. In der Cru-Linie finden sich Weine, die unserer Meinung nach von besonders privilegierten Lagen stammen – und genau diese Herkunft der Trauben wollen wir hervorheben. Im Keller werden die Weine der Cru-Linie nicht anders ausgebaut als die Tropfen der Classic-Linie. Einzig die Herkunft macht den Unterschied. In der Select-Linie schließlich kommt dann zur Herkunft des Leseguts von den besonderen Lagen auch eine besondere Behandlung im Keller dazu – sie unterscheiden sich durch vermehrten Holzeinsatz von den Kreationen der beiden anderen Linien.

Welchen Wein würdest du Weinfreunden empfehlen, die die Familie Rottensteiner noch nicht kennen?

Unseren St. Magdalener Classico Vigna Premstallerhof. Dieser Wein steht für unsere Herkunft, Geschichte und Tradition, aber gleichzeitig auch für einen modernen, eleganten und frischen Stil in der Weinbereitung.

Rottensteiner Vigna Premstallerhof St. Magdalener Classico DOC 2020

In einem tiefen Rubinrot lächelt er den Genießer an, bevor er sein überaus intensives und raffiniertes Bukett verströmt. Man hat das Gefühl, dass man seine Nase in einen Korb voll dunkler Beeren gesteckt hätte – saftige Pflaumen und Kirschen finden sich darin, ebenso wie frische Himbeeren und reife Cranberrys. Eine knackige Mineralität und ein Hauch weißer Pfeffer sorgen dann am Ende für würzigen Pep. 

Mit dem ersten Schluck erfüllt der St. Magdalener vom Premstallerhof den Gaumen auf vollmundige und schmackhafte Weise. Die Fruchtsäure ist dabei knackig, aber schön eingebunden und die Tannine wirken samtig fein. Der schier ewige Abgang will einfach keinen Abschied nehmen. Seit dem Jahrgang 2016 trägt dieser Wein die kontrollierte Ursprungsbezeichnung „Vigna“, welche für eingetragene Kleinstlagen steht.

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