Reiseempfehlung Toskana – Weshalb Weinfans diese Region Italiens besuchen sollten

Seinen ersten Toskana-Urlaub vergisst man einfach nicht. Und selten bleibt er der einzige. Zu vielfältig und berauschend sind die Düfte, Farben und Geschmäcker des Sehnsuchtsorts. Die Toskana ist ein Synonym für Sinnesfreuden, kulturellen Reichtum und landschaftliche Schönheit. Sanfte Hügel und historische Städte wie aus dem Bilderbuch sind hier nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und dann ist da ja auch noch der Wein… Die großen Rotweine der Toskana – Chianti Classico, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano – zählen zu den besten der Welt. Sie schmecken, als wollten sie das ganze Charisma der Toskana in sich vereinen. Also – nichts wie hin!

In den alten Gassen genießt man die lokalen Weine und Spezialitäten.
In den alten Gassen toskanischer Städtchen genießt man die lokalen Weine und Spezialitäten.

Warum sollte man die Toskana besuchen?

Weil sie die schönste Landschaft Italiens ist und es dort eine Fülle an Zielen gibt, die sich zu entdecken lohnen. Man kann sich ihrem Bann kaum entziehen. Zwischen sanften Hügeln mit Zypressen-Alleen liegen kleine Ortschaften, erbaut aus traditionellem Naturstein. Paradiesische Anwesen und Weingüter schmücken sanfte Hügel mit mediterranen Gärten und Parks. Neben Wanderidylle, malerischen Wochenmärkten und herrlichen Sandstränden ist ein Toskana-Trip auch immer eine Reise in ein kulinarisches Paradies. Gut essen und trinken ist hier kein Luxus, sondern gewachsene Tradition und quasi der Sinn des Lebens. Die zeitlose Landschaft hat eine entschleunigende Wirkung auf die Seele, die sich dieser harmonischen Schönheit öffnet und sie förmlich in sich aufsaugt. 

Die hügeligen Weinberge des Chianti Classico.
Die hügeligen Weinberge des Chianti Classico.

Welche Weine werden in der Toskana erzeugt?

Die Toskana ist in etwa so groß wie die Schweiz und befindet sich in Mittelitalien am Ligurischen Meer. Ihre Hauptstadt Florenz ist als Wiege der Renaissance die Kunst- und Architektur-Destination schlechthin. Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert stieg die Florentiner Dynastie der Medici hier zu einer der einflussreichsten Familien Italiens auf. Ihre Machtpolitik war und ist zwar stark umstritten, doch verdankt ihr die Toskana eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte unvergleichlicher Art. Und die Medici förderten den Weinbau in ganz großem Stil.

Weinbau wurde in der Toskana zwar bereits vor 2.500 Jahren von den Etruskern betrieben, doch es waren die Medici, die zum Ende der Renaissancezeit für einen ungeahnten Qualitäts- und auch Quantitätssprung sorgten. Großherzog Cosimo III (1642-1723) führte zu Beginn des 18. Jahrhunderts ganze 150 Rebsorten in den toskanischen Weinbau ein. Unter anderem den Cabernet Sauvignon. Damit war der Grundstein für eine Vielfalt gelegt, die sich auch heute noch in einer großen Anzahl verschiedener Weinstile widerspiegelt. Die unterschiedlichen Terroirs der Toskana kommen auf diese Weise perfekt zum Ausdruck. 

Die Toskana verfügt heute über 65.000 Hektar Rebfläche, die sich zwischen 100 und 500 Höhenmetern entlang von Hügeln und Hanglagen malerisch in Szene setzen. Aufgrund des ausgewogenen Klimas und einzigartiger Terroirs beherbergt die Region 11 DOCGs und 40 DOCs – geschützte Herkunftsbezeichnungen von ausgezeichneter Qualität im High End Bereich. Man kann die Toskana also getrost als Weinbauregion der Superlative bezeichnen. Die für den Weinbau prädestinierten Böden fallen von Ort zu Ort sehr unterschiedlich aus, wodurch die jeweiligen Weine eine Vielzahl an Facetten entfalten. Neben Weltklasse-Rotweinen ist der Vernaccia di San Gimignano die einzige DOCG für Weißweine in der Toskana. Seine würzig-florale Aromatik und elegante Charakteristik passt hervorragend zur lokalen Küche.

Die berühmten Geschlechtertürme von San Gimignano in der Toskana.
Die berühmten Geschlechtertürme von San Gimignano.

Eine der ältesten Weinbauregionen der Welt – das Chianti Gebiet

Selbst Nicht-Weinkennern dürfte Chianti ein Begriff sein. Das streng definierte Gebiet liegt zwischen Florenz und Siena und umfasst acht Teilbereiche. Der international bedeutendste ist mit Sicherheit die DOCG Chianti Classico. Bereits im Jahr 1716 wurde die Grenze dieses Weinbaugebiets von Großherzog Cosimo III genau festgelegt und trägt somit eine der ältesten geschützten Herkunftsbezeichnungen Europas. Das markante Logo mit dem schwarzen Hahn – der Gallo Nero – ziert jedes Etikett einer Chianti Classico Flasche und steht für Rotweine von Weltrang. 

Was sind eigentlich Supertoskaner? Und wo liegt die Maremma?

In der südlichen Toskana beginnt die Maremma, ein Küstenlandstrich, der sich bis ins Latium erstreckt. Wie auch in der nördlichen Toskana prägen Hügel mit schlanken Zypressen und silbrig schimmernde Olivenhaine das Bild. Neben traumhaften Sandstränden und Naturschutzgebieten mit Pinienwäldern sind dort auch weitläufige Weinberge präsent. Aus ihnen stammen die berühmten Supertoskaner, Weine, die in den 1970er und 80er Jahren weltweit für Furore sorgten. Der Marchese Antinori – Abkömmling eines alten toskanischen Adelsgeschlechts – revolutionierte 1971 mit seinem heute legendären Tignanello den toskanischen Weinbau. Nicht minder talentierte Winzerfamilien folgten dem Vorbild und bereicherten die Weinwelt um einen völlig neuen Weinstil. Begüterte Touristen aus Westeuropa, den USA und Japan ließen nicht lange auf sich warten, um in den Genuss dieser Rotweine zu kommen.

Der als einfacher Landwein etikettierte Jahrhundertwein Tignanello wurde – damals ein Akt der Provokation – außerhalb der DOC-Regularien der Maremma produziert. Mit der Verwendung der Rebsorte Cabernet Sauvignon und der Reifung in Barrique-Fässern folgte das Haus Antinori dem Leitbild Bordeaux. Diese Pionierleistung galt damals als Affront gegenüber dem zuständigen Konsortium, öffnete aber die Tür für neue Wege in der toskanischen Weinlandschaft. Und sie machte deutlich, welches Potenzial im Terroir der Toskana steckt.

Keine Reise in die Toskana sollte ohne den Besuch eines oder mehrerer Weingüter zu Ende gehen. Wir schlagen hier ein paar Abstecher zu befreundeten Winzer:innen und Weingütern vor, bei denen Ihr ausgezeichnete Weine probieren, köstlich schlemmen und sogar übernachten könnt. Sich den Genüssen und dem Rausch der kulturellen und landschaftlichen Schönheit hingeben, ist genau das, was man in der Toskana am besten machen kann.

Die Traumstrände der Maremma.
Die Traumstrände der Maremma.

Das Weingut Brancaia in der Toskana und der Maremma

Der alte Gutshof aus dem regionaltypischen Kalksandstein wurde 1981 von den Toskana-verliebten Schweizern Brigitte und Bruno Widmer gekauft und in ein Weingut umgewandelt. 40 Hektar Weinberge im Chianti Classico gehören heute dazu. Sie winden sich pittoresk um die Orte Castellina und Radda. Aushängeschild ist der Rotwein Il Blu, der im italienischen Weinguide Gambero Rosso regelmäßig mit den heiß begehrten ‘tre bicchieri’ ausgezeichnet wird. 1998 gründeten die Widmers ein zweites Weingut in der Maremma namens ‘Brancaia in der Maremma’. Heute werden die beiden Höfe von Tochter Barbara und ihrem Mann Martin Kronenberg geleitet. Nachhaltige Bewirtschaftung ist für das Ehepaar selbstverständlich und seit 2019 ist der Betrieb biozertifiziert. Neben ortstypischen Weinen werden auch Olivenöle und Grappa hergestellt. 

Weinlese der Sangiovese-Trauben im Herbst. Sie fließen in den berühmten Chianti Wein ein.
Weinlese der Sangiovese-Trauben im Herbst. Sie fließen in den berühmten Chianti Wein ein.

Für Gäste des Weinguts gibt es ganz besondere Highlights zu erleben. Die Familie organisiert Touren durch die Weinberge und die wunderschöne Landschaft des Chianti und der Maremma. Auch Weinproben finden regelmäßig statt. In der gutseigenen Osteria Brancaia sollte man sich von Giovanni Palladino verwöhnen lassen, der täglich frische Pasta und Brote zubereitet. Ob als kleine Stärkung nach der Wanderung, oder zum mehrgängigen Dinner – die raffinierten, hausgemachten Gerichte aus lokalen Zutaten sind ein wahrer Hochgenuss.

Im alten toskanischen Gutshof Brancaia kann man auch mehrere Tage oder Wochen verbringen. Die liebevoll restaurierten Gäste-Apartments liegen inmitten der typisch toskanischen Kulturlandschaft. Duftende Blumen und Kräuter, Olivenhaine und Weinberge entspannen hier die Seele und ein schöner See in der Nähe lädt zum Baden ein.

Brancaia Chianti Classico DOCG 2020

Dieser Chianti Classico drückt ganz vortrefflich den Charakter der Landschaft und der Rebsorte Sangiovese aus, die wie keine andere für die Toskana steht. Eine saftige Kirschfrucht wird untermalt von Roten Johannisbeeren und einer delikaten Kräuterwürze. Rauchige Noten, eine kraftvolle Tanninstruktur und erfrischende Säure geben ihm alles mit, was ein großer Wein zum Reifen braucht. Ein echter Terroirwein und idealer Begleiter zu typisch toskanischen Speisen.  


Das Weingut Barbanera in der Toskana

Weinberge und Weingut von Barbanera in der Toskana.
Die Weinberge von Barbanera in der Toskana.

Angefangen hat alles mit einem kleinen Weinstand auf dem Wochenmarkt in Rom. 1938 war eine schwierige Zeit, um ein Weingut zu gründen, auch in dem pittoresken Örtchen Cetona in der Provinz Siena. Doch mit viel Hingabe und Qualitätsbewusstsein schaffte es die Familie Barbanera, zuverlässig herausragende Toskana-Weine zu erzeugen. 2018 ernannte Weinkritiker Luca Maroni das Weingut Barbanera zum besten Weinhersteller Italiens.

Es war auch eines der ersten Weingüter des Landes, das sich mit Zertifikaten für eine positive Ökobilanz schmücken durfte. Nachhaltige Energiewirtschaft und teilweise biologischer Weinbau gehören zur Arbeitsweise der Barbaneras. Das Portfolio reicht von trinkfreudigen Alltagsweinen bis zu den großen Weinen der Toskana – Chianti Classico und Vino Nobile di Montepulciano.

Einen Abstecher zum Weingut Barbanera lässt sich wunderbar mit einem Besuch der Renaissance-Stadt Siena verbinden. Seit 1995 gehört sie zum UNESCO-Welterbe und ist mit Sicherheit eine der schönsten Städte Italiens. Sie hat neben der 1240 gegründeten Universität vor allem prächtige Bauten aus der Gotik vorzuweisen, die sich mit Relikten aus der Römerzeit und dem frühen Mittelalter vermischen. Im historischen Zentrum findet auch jährlich im Sommer das berühmte Pferderennen Palio statt, bei dem seit dem Mittelalter zehn der Stadtbezirke in traditionellen Trachten gegeneinander antreten. 

Barbanera Gigino 80 Anniversario – Limitierte Jahrgangsvertikale

Barbanera Gigino 80 Anniversario – Limitierte Jahrgangsvertikale

Die Jahrgänge 2015 und 2016 zählen in der Toskana zu den besten der gesamten Dekade, der 2017er darf noch ein bisschen liegen bleiben. Die Jubiläums-Cuvée Gigino duftet nach reifen Waldbeeren und eingelegten Sauerkirschen, ergänzt durch Nuancen von Vanille, Schokominze und pikanten Gewürzen. Zarte Röstaromen schenken ihm eine geschmeidige Fülle, die mit polierten Tanninen angenehm in Erinnerung bleibt.

Barbanera Vecchiano Rosato Toscana IGT 2020

Barbanera Vecchiano Rosato Toscana IGT 2020

Ein Rosé mit typisch toskanischer Frische. Sein Duft erinnert an wilde Erdbeeren und weiße Kirschen, Rosenblüten und tropische Papaya. Saftig und erfrischend schenkt er uns einen tollen Roségenuss mit Noten von Rhabarber und Blutorange. Schwungvoll und animierend, lädt der Vecchiano Rosato zu geselligem Genuss ein. Der Abgang zeigt eine raffinierte Pfefferwürze und herbe Noten von Cranberry, die gut zur leichten Restsüße passen.

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