Was bedeutet Nachhaltigkeit im Weinbau?

Nachhaltigkeit – seit mehreren Jahren ein großer Begriff und Synonym für ein unumgängliches, globales Umdenken im eigenen Handeln, aber vor allem in der Wirtschaft rund um den Globus. Doch wie funktioniert Nachhaltigkeit in der Weinherstellung und woran erkenne ich als Kund:in, ob mein Wein nachhaltig hergestellt wurde?

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Nachhaltigkeit und der Klimawandel 

Das Ziel nachhaltiger Wirtschaftsformen ist im Wesentlichen die Schonung von Ressourcen. Um dies zu erreichen, dürfen nicht mehr Ressourcen abgebaut werden, als sich in der Natur wieder regenerieren können. Bei den Emissionen verhält es sich ähnlich, sie dürfen die Absorptionsfähigkeit der Natur nicht übersteigen. CO² -Neutralität ist hier der Schlüsselbegriff. Sie ist gegeben, wenn die Entstehung von Emissionen und der Abbau von Rohstoffen sich mit der Regenerationsfähigkeit im Gleichgewicht befinden. Ein weiterer kritischer Faktor ist die Erschöpfung endlicher Ressourcen. Dies muss verhindert werden, durch die Nutzung erneuerbare Energien und die Verwendung alternativer Materialien. Stellschrauben in der Umsetzung sind zum Beispiel ein nachhaltiges Wasser- und Energiemanagement sowie die Abfallreduzierung.

Das ansteigende Niveau der Rohstoffgewinnung, deren Verarbeitung zu Konsumgütern sowie deren Nutzung provozieren den Klimawandel immer stärker. Treibende Faktoren für ihn sind zum Beispiel Emissionen aus Industrie und Verkehr, die Ansammlung von Müll in der Natur und den Meeren sowie großflächige Abholzungen von Waldflächen. Sie bringen die Natur immer mehr aus dem Gleichgewicht und entziehen den Tieren und uns Menschen die Lebensgrundlage.

Der aus diesen Faktoren resultierende Klimawandel macht ein Umdenken unabdingbar. Er hat jetzt schon enormen Einfluss auf die gesamte Landwirtschaft und auch den Weinbau. Zum Teil gibt es bereits heute verheerende klimatische Auswirkungen wie zum Beispiel die Jahre 2018 und 2019 mit extremer Hitze und wenig Niederschlag, aber auch lokale Extremwetterereignisse wie die Hochwasserkatastrophe an der Ahr im Jahr 2021.

Nachhaltiger Weinbau in Bordeaux. Schafe als Helfer in der Kreislaufwirtschaft.
Nachhaltiger Weinbau in Bordeaux. Schafe als Helfer in der Kreislaufwirtschaft.

Wie kann Nachhaltigkeit gestaltet werden?

Die Veränderungen passieren vor allem schleichend. Die Durchschnittstemperaturen steigen immer höher und für den Anbau vieler Rebsorten wird es in bestimmten Regionen oder Lagen schon zu warm. Hitze und Sonne sorgen für eine zunehmende Bildung von Zucker und Abnahme der Säure. Als Konsequenz ist mit höheren Alkoholgehalten zu rechnen. Die geringere Säure drückt sich in fehlender Frische aus. Die Kombination von Beidem resultiert in alkoholischen Weinen, die wenig Struktur, Spannung und Trinkfluss haben. Der Qualitätsweinbau ist bereits viel weiter nördlich möglich, als es bisher der Fall war. In England und Wales gibt es bereits knapp 500 Weingüter, die sich 2.000 Hektar Rebfläche teilen. Das milde Klima und die kalkhaltigen Böden sind vor allem für die Herstellung von Qualitätsschaumwein mittlerweile recht vielversprechend.

Heute investieren bereits große Champagner-Häuser wie Taittinger in den nördlichen Weinbau. Wie kann also der Winzer oder die Winzerin den Auswirkungen des Klimawandels entgegenwirken? Durch das eigene Handeln kann viel erreicht werden und etliche Weinkellereien weltweit sind bereits den Schritt in Richtung einer nachhaltigen Produktion gegangen. In Bordeaux begegnet man der Situation mit der Einführung von Rebsorten wie Touriga Nacional und Alvarinho, die an Trockenheit und große Hitze gewöhnt sind. Denn Bewässerung der Reben in trockenen Gebieten wird aus nachhaltiger Sicht immer fragwürdiger und ist oft auch nicht umsetzbar. Die Gesundheit der Böden und Gewässer kann durch die Reduktion oder den Verzicht synthetischer Dünger verbessert werden. Es kann zum Beispiel auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten – sogenannte PiWis – zurückgegriffen werden, um Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Auch sogenannter Gründünger in Form von ausgesäten Nutzpflanzen wie Kräutern oder Blumen kann den Boden verbessern, vor Erosionen schützen und Bienen anlocken. Maßnahmen für den Artenschutz werden bereits vielfach umgesetzt, indem andere Pflanzen oder Bäume in die Weinberge integriert werden und somit Unterschlupf für Nützlinge wie Fledermäuse geschaffen wird. Schafe zwischen den Reben halten den Bewuchs an Kräutern kurz und geben gleichzeitig Dünger ab. Außerdem kann verlorene Wolle im Weinberg vor Wildverbiss schützen, da Rehe ihren Geruch nicht mögen. Pheromonfallen gegen den Traubenwickler, eine Mottenart, können Insektizide ersetzen. Diese Fallen verströmen einen Lockstoff, welcher die Männchen verwirrt und so die Paarung verhindert. 

Eine nachhaltige Arbeitsweise fördert also auch den Erhalt von natürlichen Landschaftsformen. Es gibt Winzer:innen, die ihre Böden anstatt mit bodenverdichtenden Treckern, mit leichteren Schmalspurschleppern oder vereinzelt sogar dem Pferdepflug bearbeiten. Andere Winzer:innen verwenden unabhängige Energiesysteme, wie Fotovoltaikanlagen, Klärteiche für Brauchwasser, eine energieeffiziente Bauweise und ähnlichen Maßnahmen. Der CO₂-Fußabdruck kann auch reduziert werden, indem Glasflaschen dünner und somit leichter gestaltet werden oder auch Bag-in-Box-Verpackungen gewählt werden. Eine weitere Option für Kellereien kann sein, sich für die Zusammenarbeit mit nachhaltig arbeitenden Speditionsunternehmen zu entscheiden. Nachhaltige Weinerzeugung kann zertifiziert biologischen Weinanbau beinhalten, muss es aber nicht. Während biologische Weinwirtschaft sich auf die lokale Gesunderhaltung der Böden und Pflanzen konzentriert, ist Nachhaltigkeit deutlich weitreichender zu sehen.

Eine vielfältige Flora lockt Nützlinge an, wie hier in La Mancha in Spanien. So sieht Nachhaltigkeit im Weinbau aus.
Eine vielfältige Flora lockt Nützlinge an, wie hier in La Mancha in Spanien.

Anerkannte Siegel schaffen Transparenz

Initiativen und Siegel für nachhaltige Weinwirtschaft gibt es immer mehr und die Entwicklung zieht bereits weite Kreise. Vor über 20 Jahren wurden beispielsweise in Bordeaux die Weichen hin zu einer nachhaltigen Weinwirtschaft gestellt. Eine Etappe auf diesem Weg wurde 2010 mit der Initiierung des Umwelt-Management-Systems SME erreicht. Es ist ein freiwilliges und gemeinschaftliches Umwelttool für nachhaltiges Engagement und wurde vom Bordelaiser Kontrollrat CIVB ins Leben gerufen. Das gemeinsame Ziel ist es, dass bis 2030 alle Branchen-Akteure in Bordeaux nachhaltige Aspekte in das eigene Handeln integrieren. Entsprechende Siegel auf der Flasche belegen das Engagement.

Ähnliche Initiativen gibt es in vielen Weinbauländern Europas, auf nationaler Ebene, aber auch länderübergreifend. International ist FAIR’N GREEN das wichtigste Siegel für nachhaltigen Weinbau. Dazu zählen Mitglieder aus Deutschland, Italien, Portugal, Österreich, Frankreich, der Schweiz und Israel. Es hilft Winzer:innen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und objektiv messbar zu machen. Auf der Flasche finden die Konsument:innen das entsprechende Logo. Die Idee hinter all diesen Initiativen beinhaltet auch stets den Gemeinschaftsgedanken. Es geht darum, Netzwerke zu schaffen, um sich untereinander zu beraten und zu unterstützen. Denn längst ist bei sehr vielen Produzent:innen das Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Wirtschaftsformen geschärft.

Fair'N Green ist eine Alternative zu Bioweinen.

Nachhaltiger Weinbau ist also keineswegs ein flüchtiger Lifestyle Trend, sondern eine allumfassende Arbeits-, Denk- und Wirtschaftsweise, deren Umsetzung nun weltweit an Fahrt aufgenommen hat und der sich zum Glück jährlich immer mehr Winzer:innen und Betriebe anschließen. Denn eine gesunde Umwelt, soziale Gerechtigkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen bilden einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Unsere BioWein Empfehlung von Hofgut Gönnheim

Hofgut Gönnheim Sauvignon Blanc 2021

Knackige Exotik trifft auf saftige Frische! Dieser biologisch angebaute Sauvignon Blanc aus der Pfalz begeistert mit intensiver Aromatik und lebendiger Struktur. Hellgelb schimmernd, überwältigt dieser Weißwein vom Hofgut Gönnheim mit einem faszinierenden Bukett aus intensiven Aromen. Reife Cantaloupe-Melonen spielen mit frischen Stachelbeeren in der Nase. Darunter eine feine Rosmarinwürze. Am Gaumen macht sich eine großzügige Saftigkeit im Zusammenspiel mit kräuteriger Würze bemerkbar – ein fulminantes Tête-à-Tête, das in einem knackig-exotischen Finale mündet.

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Karl Pfaffmann ‘Die Betschwester’ Rosé 2021

Merlot und Dornfelder stehen für fruchtbetonten und sanften Genuss, auch als Rosé ausgebaut. Die Betschwester kommt als Pretty in Pink daher, lebensfroh und strahlend im Glas. Die sonnenverwöhnte Pfalz schenkt dem Wein Aromen duftiger Himbeeren, saftiger Erdbeeren und frischer Rosen. Der Geschmack lässt sogleich an den Sommer denken, mit seinen reifen Beerenfrüchten, der tollen Frische und saftigen Leichtigkeit. Im Abgang gibt die zarte Mineralik einen eleganten Extra-Kick. Das FAIR’N GREEN-Siegel zeichnet seine Nachhaltigkeit aus.

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