Lambrusco – Unterschätzte Wildrebe aus der Emilia-Romagna

Süß, perlend und meist ganz weit unten im Weinregal – Lambrusco hat den Ruf eines anspruchslosen und günstigen Perlweins für feuchtfröhliche Momente. Vor allem in Deutschland und in den USA, wo billig produzierte Varianten des roten Schäumers in den 70er und 80er Jahren die Märkte überschwemmten. Der wahre Charakter des Lambruscos erschließt sich Weingenießer:innen häufig erst bei einem Besuch in der Emilia-Romagna, wo er in Kombination mit den regionalen Spezialitäten – Balsamico, Parmigiano und Parmaschinken – einer kulinarischen Offenbarung gleichkommt. 

Seit wann gibt es Lambrusco?

Archäologische Funde belegen die Herstellung von Wein aus Lambrusco-Trauben in der frühen Antike. Zunächst die Etrusker und später die Römer schätzten den fruchtigen Geschmack und die üppigen Erträge der wilden Rebsorte schon vor unserer Zeitrechnung. In den USA wurde süßer Lambrusco zwischen 1970 und 1980 zum umsatzstärksten Importwein. Auch in Deutschland und Großbritannien erfreute sich der rote Perlwein großer Beliebtheit. Das billige Image des Lambruscos stammt aus dieser Zeit und hält außerhalb von Italien bis heute an. Mittlerweile organisieren sich qualitätsbewusste Winzer:innen der einzigartigen Appellation und feilen mithilfe des ‘Consorzio Tutela Lambrusco’ an dem Ansehen des oft unterschätzen Weins. 

Rebstöcke unterhalb des Levizzano Schlosses in Modena

Woher stammt Lambrusco?

Seine Heimat ist seit jeher der Norden Italiens. In der Region Emilia-Romagna wird der Lambrusco rund um die Orte Modena, Parma, Reggio Emilia und Bologna kultiviert und im Alltag genossen. Auch im Veneto, im Piemont und auf Sizilien finden sich die robusten Reben. Der fruchtig herbe Geschmack passt aber besonders gut zu den Spezialitäten des nördlichen Italiens. 

Die Spezialitäten der Emilia-Romagna: Pasta, Parmigiano, Balsamico, Parmaschinken, Salami und Dolci

Welche Speisen passen zu Lambrusco?

Klassische Antipasti mit Parmigiano aus Reggio Emilia und Balsamico Essig aus Modena lassen sich wunderbar mit gekühltem Lambrusco begleiten. Auch zu Wurst- und Schinkenspezialitäten wie Parmaschinken oder Coppa di Parma passt er ausgezeichnet. Pastagerichte wie Lasagne, Tortellini und Tagliatelle gehören zu den täglichen Genüssen der Emilia und werden traditionell mit Grana Padano oder gereiftem Parmakäse verfeinert. Die griffigen Tannine und die saftige Frucht des Lambruscos sorgen bei diesen sämigen Speisen für einen erfrischenden und anregenden Gegenpart. Hinter dem klangvollen Namen Rosa di Parma verbirgt sich ein üppiger Rinderrollbraten mit Parmesan und Parmaschinken. Er wird unter Zugabe von Lambrusco geschmort. Zum Nachtisch reicht man duftende Dolci wie die Zuppa Inglese, ein Schichtkuchen mit Biskuit, Vanille und Schokoladencreme, oder Torta Tenerina, ein mit Kaffee verfeinerter Schokokuchen. Süßer oder halbtrockener Lambrusco lässt sich wunderbar mit derlei Süßspeisen kombinieren.

Lambrusco-Reben

Die Rebsorte Lambrusco

Seine Vielseitigkeit verdankt der perlende Rotwein einer großen Vielfalt verschiedener Stile und regionaler Unterschiede, die man bei günstigen Varianten aus dem Supermarkt nur erahnen kann. Die Bezeichnung Lambrusco geht auf die gleichnamige Rebsorte zurück: Im Unterschied zur ‘Vitis Vinifera’, der landläufig als Weintraube bekannten ‘Edlen Weinrebe’, handelt es sich bei der ‘Vitis Lambrusca’ um eine Wildrebe und somit um eine eigene Traubenart innerhalb der Gattung ‘Vitis’. In der Emilia Romagna finden sich elf autochthone Lambrusco-Reben. Ihnen allen ist eine dunkle und relativ dicke Traubenschale eigen. Je nach Erzeuger:in und genauer Herkunft geraten daraus unter dem Einsatz verschiedener Herstellungsweisen recht unterschiedliche Stile. 

Die Region Emilia-Romagna ist bekannt für den Lambrusco

Appellationen und Stile

Lambrusco mit geschützter Herkunftsbezeichnung stammt aus einem der folgenden sechs Bereiche: Sorbara, Castelvetro, Canossa, Santa Croce, Modena und Reggio. Die bekanntesten Varianten sind der Salamino di Santa Croce und der als besonders fein geltende Grasparossa di Castelvetro. Ersterer bezieht seinen Namen übrigens von der Ähnlichkeit der Rebenstruktur zu einer italienischen Salami. Innerhalb der zugelassenen Herkünfte gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Rebflächen, die wiederum bestimmten Gemeinden – Maranello, Fiorano, Sassuolo und viele mehr – zugeordnet werden. Die einzige DOC außerhalb der Emilia befindet sich in der Lombardei.

Lambrusco Grasparossa mit charakteristischer Schaumkrone

Schauen wir uns die Appellation Grasparossa di Castelvetro etwas genauer an. Neben der Lambrusca Grasparossa, dürfen hier bis zu 15 Prozent anderer zugelassener Rebsorten zugesetzt werden. Die Weinberge sind rund um die Stadt Modena verteilt und lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. In der Hochebene dominieren magere, wenig durchlässige Böden mit einem hohen Anteil an Sand und mergeligem Lehm. In der Hügellandschaft nahe Modena hingegen wurzeln die Reben in Böden aus schluffigem Sand mit Kies-Einlage, die eine höhere Durchlässigkeit bieten.       

Wie jeder Lambrusco, kann der Grasparossa di Castelvetro als Rosé- oder Rotwein vinifiziert werden und in allen Geschmacksrichtungen von trocken über halbtrocken bis hin zu süß abgefüllt und vermarktet werden. 

Ein typischer Lambrusco erscheint in einem intensiven Rubinrot mit violetten Reflexen im Glas und duftet intensiv nach Brombeeren, Sauerkirschen und roten Blüten. Beim Grasparossa wird die dunkle Frucht um feine Mandelnoten ergänzt. Der charakteristische Schaum des Lambruscos hat bei höheren Qualitäten eine gute Stabilität und sieht richtig appetitlich aus. Am Gaumen wird der frisch getrunkene Wein als spritzig und lebhaft wahrgenommen.      

Frisch abgefüllte Lambrusco Flaschen in einem Weinkeller

Wie wird Lambrusco hergestellt?

Für die Erzeugung des einfachen Lambruscos wird der Grundwein komplett vergoren und als Stillwein bei kühlen Temperaturen im Edelstahltank zwischengelagert. Um daraus bei Bedarf einen Perlwein zu gewinnen, werden Traubenkonzentrat und Reinzuchthefen mit dem Grundwein vermischt. Anschließend wird der behandelte Most in einem Drucktank bei 2,5 bar vergoren. Ist der gewünschte Restzuckergehalt erreicht, wird die Gärung per Kälteschock gestoppt. Die natürliche Gärungskohlensäure sorgt für das lebhafte Perlen des Weins. 

Für Qualitätslambrusco wird der Traubenmost gleich nach der Pressung auf null Grad heruntergekühlt und bei dieser Temperatur zwischengelagert. Um aus dem kalten Most perlenden Wein zu erzeugen, erhöht man die Temperatur und setzt Reinzuchthefen zu. Im Drucktank gärt der Wein dann, bis der gewünschte Süßegrad erreicht ist und der Gärvorgang durch Kältezufuhr unterbrochen wird. Der so entstandene Perlwein wird jung und gut gekühlt getrunken.

Anspruchsvolle Winzer:innen stellen Lambrusco in seltenen Fällen auch nach der ‘Méthode Traditionnelle’ her. Dabei findet die Zweitgärung genau wie bei Crémant und Champagner nach der Zugabe von Zucker und Hefen in der Flasche statt. 

Frisch ausgeschenkter Lambrusco

Unsere Empfehlung

Um den Einstieg in die Genusswelt des Lambruscos zu erleichtern, stellen wir hier drei ganz unterschiedliche Spielarten verschiedener Erzeuger vor. Einen unkomplizierten und günstigen Einstieg bei solider Qualität bietet Toser Vini. Mit dem Marcello Oro des Traditionshauses Ariolo aus Parma wird es anspruchsvoller und intensiver. Und ein Spitzen-Lambrusco aus der von Weinkritikern besonders geschätzten Appellation Grasparossa di Castelvetro darf natürlich auch nicht fehlen.  

Toser Vini Lambrusco

Der Lambrusco von Toser Vini ist ein prickelnder Rotwein, der uns mit einem betörenden Bukett von floralen und fruchtigen Noten in den Bann zieht. Ein unkomplizierter Lambrusco, der zum geselligen Genießen einlädt. Mit einer dunkelroten Farbe und violetten Reflexen zeigt er sich im Glas. Sein duftiges Bukett lockt mit roten Fruchtaromen und Anflügen von Veilchen. Am Gaumen erfreut er mit einer schönen Balance zwischen frisch-fruchtigen Aromen und Anklängen an rote Blüten.

Ariola Marcello Oro Lambrusco

Rubinrot erstrahlt der Lambrusco Oro von Ariola im Glas. Der Marcello ist ein anspruchsvoller Lambrusco aus Langhirano bei Parma. Ariola gehört zu den wichtigsten Erzeugern der DOC Lambrusco. Ihr Marcello ist das Aushängeschild des traditionsreichen Hauses. Im Bukett tummeln sich intensive Aromen von Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Am Gaumen punktet der Lambrusco Oro mit einer trockenen und frischen Charakteristik bei druckvollem Mousseux. 

Villa di Corlo Lambrusco Grasparossa di Castelvetro

Dieser trocken ausgebaute Lambrusco stammt aus der hoch gepriesenen Appellation Grasparossa di Castelvetro. Er begeistert mit einem dichten Schaumbild und persistenter Perlage. Das appetitlich duftende Bukett bringt intensive Fruchtnoten zum Ausdruck, die an Sauerkirschen erinnern und auf anregende Weise von frischen Kräutern umspielt werden. Am Gaumen ist er schön saftig, körperreich und griffig. Mit seinen feinen Tanninen passt er wunderbar zu kräftigen Pastagerichten.

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