Guter Gin und seine Herstellung

Der Gin ist wieder da! Er blickt auf eine lange Geschichte zurück und war zwischendurch regelrecht aus der Mode gekommen. Doch nun feiert eine der ältesten Spirituosen ihr Comeback und wir feiern mit. Am 11. Juni ist es wieder so weit und der World Gin Day zelebriert dieses facettenreiche Destillat, dessen Anfänge mit einem kultigen Bargetränk rein gar nichts zu tun hatten. 

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Wie wird Gin hergestellt?

Destillation war in Europa bereits zur Zeit des maurisch besetzten Spaniens seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Alchemisten nutzten den Alkohol zur Herstellung von Parfum und Medizin. Von dort breitete sich die Kunst des Destillierens weiter aus und gelangte im Mittelalter über Handelsrouten nach Holland, wo im 17. Jahrhundert ein Arzt die erste Gin-Rezeptur entwickelte. Kräuter, Wurzeln und auch Wacholder wurden in der Vergangenheit verwendet, um Fieber, Magenbeschwerden und sogar die Pest zu behandeln. Die Bevölkerung fand schnell Gefallen an Geschmack und berauschender Wirkung und gab dem aromatisierten Destillat den Namen Genever, was auf Holländisch Wacholder bedeutet. Am Ende des Holländisch-Spanischen Krieges brachten englische Soldaten das Destillat nach England, wo sich bald der Name Gin etablierte.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Gin in England noch das Getränk der Armen. Jeder durfte brennen, wodurch Gin billig und fast immer von schlechter Qualität war. Zudem war er im Gegensatz zu französischen Destillaten steuerfrei. Diese Tatsache setzte die halbe Arbeiterklasse Londons außer Gefecht, weshalb die Regierung 1751 den Gin Act verabschiedete. Er erzwang höhere Qualitäten und bessere Kontrolle. Gin wurde daraufhin meist hochwertiger und auch in anderen Gesellschaftsschichten beliebt.

Er war zwar von der ersten Stunde im frühen 19. Jhd. an der Entwicklung der Cocktail-Szene beteiligt und fester Bestandteil fast jeder Bar, der gesellschaftliche Aufstieg gelang ihm jedoch erst in den 1920er und 30er Jahren. Das Ausgehen wurde gesellschaftsfähig, die Qualität des Destillats besser und die Cocktail-Szene kreativer.

Gin herstellen: Wacholderbeeren sind essenziell
Wacholderbeeren – essenziell für die Gin-Herstellung

Was sind die beliebtesten Gin-Sorten?

Die Geschichte des Gins spiegelt auch die Gesellschaft und sich wandelnde Modeströmungen wider. Herkunft der Botanicals und Geschmacksprofil zeigen entweder ein exotisches oder minimalistisches Profil, sollen Urlaubsstimmung erzeugen oder die lokale Fauna abbilden. Botanicals sind Gewürze, Kräuter, Blüten, Wurzeln, Samen und Früchte aus aller Welt. Wacholderbeeren geben dabei in der Regel den Ton an. Als die zehn wichtigsten Botanicals sind Wacholder, Kardamom, Zitrusschalen, Koriander, Engelwurz, Anis, Kubebenpfeffer, Mädesüß, Fenchel und Zimt zu nennen. Der Kreativität sind jedoch keine Grenzen gesetzt und weltweit werden aktuell über 120 Botanicals zur Aromatisierung von Gin eingesetzt.

Als Beispiel sei England genannt, wo neben dem klassischen Wacholder zumeist exotische Botanicals aus dem kolonialen Indien Einzug in die Rezepte hielten. Ende des 18. Jahrhunderts entstand somit der klassische Typ des London Dry Gin, der angeblich erstmals von der Familie Gordon im Norden Londons produziert wurde. Auch wenn es historisch nicht ganz stimmt, kann der Gin doch als Kind Englands bezeichnet werden. Künstliche Zusatzstoffe sind beim London Dry Gin untersagt, zudem muss er absolut trocken sein.

Anders sieht es bei der Variante Old Tom Gin aus. Er entwickelte sich nach 1751, als der Gin Act durch erforderliche Lizenzen und hohe Steuern die Produktion in den Untergrund trieb. Der heimliche Ausschank in den Pubs funktionierte über eine Katzenfigur an der Hauswand. Der Passant warf eine Münze in das Maul der Katze und der Barkeeper pumpte von innen Gin durch einen Schlauch in die Figur, wo der Passant ihn auffangen konnte. Er besetzt heute eine Nische und es gibt außerhalb Englands kaum Produzenten. Dieser Gintyp wird nach der zweifachen Destillation leicht nachgesüßt. Bei der Auswahl und Zugabe der Botanicals hat der Destillateur weniger Vorschriften zu beachten als beim London Dry Gin. Für klassische Cocktails wie Tom Collins ist er ideal geeignet.

Gin & Tonic – der Klassiker unter den Longdrinks ist ein beliebter Gin-Drink. Tipp: Am besten mit dem besten Gin genießen!
Gin & Tonic – der Klassiker unter den Longdrinks

Eine neue Variante, die seit Jahren an Beliebtheit gewinnt, ist der New Western Dry Gin. Neue Marken schießen regelrecht aus dem Boden. Sie alle haben gemeinsam, dass der Wacholder als Zutat etwas zurücktritt und die Bühne anderen Botanicals überlässt. Die Herstellung ist ähnlich wie bei einem London Dry Gin. Seine Aromen erhält er durch die Zugabe der Botanicals im zweiten Destillationsprozess. Diese Gin-Variante ist erst vor einigen Jahren entstanden und folgt dem Trend, kreativ neue aromatische Wege zu gehen und Gin auch einem Publikum schmackhaft zu machen, das der klassischen Wacholder-Aromatik eine Alternative vorzieht. New Western Dry Gins bringen Abwechslung in den Markt und eignen sich toll für kreative Cocktails, Gin & Tonic aber auch pur als Shot.

Im Zusammenhang mit dem Gin bleibt die Entstehung des Gin & Tonic zu erwähnen. In Indien stationierten englischen Soldaten wurde während der Kolonialzeit Chinin zur Bekämpfung von Malaria verordnet. Der extrem bittere Geschmack des Extrakts aus der Chinarinde war jedoch ein Problem und so mischten sie es mit Zucker, Soda, Gin und allem, was geschmacklich für Besserung sorgte. Chinin ist die geschmacksgebende Zutat von Tonic Water. Der Gin & Tonic war somit geboren. Wir stellen Euch hier ein paar ausgezeichnete Gins vor, mit denen das Mixen und Ausprobieren richtig Spaß macht.

Bester Gin: Schloss Johannisberg Small Batch Schloss Gin

Schloss Johannisberg Small Batch Schloss Gin

Vom Magazin Der Feinschmecker wurde der Small Batch Schloss Gin vom Rheingauer Traditionsweingut Schloss Johannisberg 2019 als “Bester deutscher Gin” prämiert. Wie sein Name verrät, wird dieser Gin in kleiner Stückzahl handwerklich hergestellt und ausschließlich mit natürlichen Botanicals versetzt. Schalen von schlosseigenen Bitterorangen, duftiger Lavendel und erfrischendes Zitronengras finden sich unter den Botanicals, welche einen floral-frischen Kontrast zum herben Wacholder bilden. Er zählt zum Typ der London Dry Gins und ist ein hervorragender Partner in einem guten Gin & Tonic.

Guter Gin: Pickering's Gin

Pickering’s Gin

Die kleine Destillerie im schottischen Edinburgh hat Großes zu bieten. Als beste Gin-Destillerie Schottlands der letzten 150 Jahre ausgezeichnet, räumt sie weltweit bei allen wichtigen Wettbewerben Goldmedaillen ab. 9 exotische Bombay Botanicals wie grüner Kardamom, Zitronenschale und Angelikawurzel umspielen die klassische Wacholdernote dieses London Dry Gins und nehmen mit auf eine sinnliche Zeitreise ins koloniale Indien, wo das Rezept 1947 entstand. Das Resultat der komplett handwerklichen Herstellung ist ein duftiger und zitrusfrischer Gin mit samtig-weichem Mundgefühl und höchst elegantem Finish.

Beliebter Gin: Blackforest Wild Gin

Blackforest Wild Gin

Die Traditionsbrennerei Wild bringt mit ihrem Gin die tiefen Wälder und saftigen Täler des Schwarzwaldes in die Flasche. Mit einer frisch-herben Wacholdernote orientiert sich der Blackforest Wild Gin stark an der London Dry Gin Stilistik. Doch auch die frischen Inhaltsstoffe wie Zitrone, Basilikum und Ingwer kommen hier besonders zum Strahlen. Erreicht wird dies durch das Dampf-Extraktions-Verfahren der 45 Botanicals. Eine anschließende Reifung in Ton-Amphoren sorgt für einen weichen und milden Geschmack mit viel Frische. Kräuter und exotische Gewürze runden das komplexe Aromenbild ab. Vom Genussmagazin Selection wurde Wild als beste Brennerei des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Guter Gin: Gin Mare

Gin Mare Mediterranean Gin

Spanien ist einer der Vorreiter in der Herstellung kreativer New Western Dry Gins. Die verwendeten Botanicals entstammen den Küsten des Mittelmeers. Dabei geben Thymian, Rosmarin, Basilikum und Oliven den Ton an, unterstrichen von viel frischer Zitrusschale und einem Hauch Pfeffer. Natürlich darf der Wacholder nicht fehlen, doch tritt er beim Gin Mare eher dezent in Erscheinung. Die verwendeten Kräuter sorgen für ätherische und intensive Aromen sowie eine äußerst frische und leicht herbe Note. So schmeckt Urlaub, am besten in Kombination mit einem milden Tonic Water oder in einem erfrischenden Cocktail.

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