Europa – Wiege des Weinbaus

Europa ist nicht nur die Wiege des Weinbaus, sondern hat auch in puncto Vielfalt und Spitzenqualität enorm viel zu bieten. Seit über 7.000 Jahren breiten sich die Reben über den Kontinent aus. Dabei haben sich Tausende von Rebsorten und regionaltypische Spezialitäten entwickelt. Wein ist zu einem wichtigen Kulturgut geworden und hat Menschen und Landschaft geprägt wie wohl kein zweites.

Die Geschichte des Weinbaus in Europa ist seit der Antike auch ein Spiegel der Zeit. Ein wichtiges Ursprungsland des Weinbaus ist Georgien, wo Zeugnisse über 7.000 Jahre zurückreichen. Doch auch die Phönizier hinterließen vor circa 3.000 Jahren ihre Spuren und Traditionen, vor allem in Spanien. Aus der Zeit der Römer finden sich Zeugnisse bis an den Rhein und die Mosel, wo damalige Flurnamen noch heute historische Weinberge bezeichnen. Landschaftlich an Schönheit kaum zu überbieten sind die Hügel und Steilhänge entlang der Flüsse und Seen. Die großen Gewässer spielen nicht nur als Wärmespeicher eine wichtige Rolle, sondern auch als Transportwege. Wein war ein wichtiges Handelsgut und brachte zudem Wohlstand. Ohne der Weinberge an Mosel, Rhein und Loire würden dort heute vermutlich keine Schlösser stehen.

weinbau im weinaugebiet  an der mosel in europa
Thurant Burg Mosel

Vor allem das Mittelalter war sehr prägend für den heutigen Weinbau in Europa. Die Reben gelangten mit pilgernden und missionierenden Mönchen in die Klöster Südeuropas. Nicht nur als Lieferant von Tafeltrauben und Messwein wurden sie kultiviert, sondern man erkannte auch, dass der Alkohol im Wein eine desinfizierende Wirkung hatte. Trinkwasser enthielt oft krankmachende Keime und eine Beimengung von Wein half, sie zu neutralisieren. Das war auch für die Seefahrt der britischen Handelsmacht interessant. Wein lieferte eine risikoarme Flüssigkeitsversorgung und wenigstens einen Hauch an Vitaminen und Mineralien, was den Tod vieler Matrosen verhinderte und die erfolgreichen Ozeanüberquerungen erst ermöglichte. Von einem wohlschmeckenden Getränk oder gar Genuss war der damalige Wein jedoch noch weit entfernt. Renommierte Regionen mit Atlantikhäfen wie Bordeaux, Port oder Sherry waren beliebte Anlaufpunkte der Flotte und verdankten den Briten ihren Wohlstand, als sich in England langsam die High Society für bessere Qualitäten zu interessieren begann.

Das Reifen von höheren Weinqualitäten erforderte aber auch spezielle Kenntnisse, Lagerräume und Fässer und dank des Engagements zahlreicher Klöster mauserte sich Wein im 17. Jahrhundert zu einem Getränk der höheren Gesellschaft und des Adels, die sich dem Rausch gerne in ausgiebigen Festen hingaben. Zu Berühmtheit brachte es wenige Jahrzehnte später ein französischer Benediktinermönch namens Dom Pérignon. Er soll die Methode der traditionellen Flaschengärung entwickelt und somit dem Champagner und später anderen Schaumweinen zu Ruhm verholfen haben.

Weißweinzeremonie über dem Donautal der Wachau bei Spitz

Wein und Reben breiteten sich also in ganz Europa aus und waren aus Kultur und Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Leider kannten auch Rebkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau keine Grenzen. Noch schlimmer wütete die Reblaus, ab 1847 zunächst in Frankreich, doch in den folgenden Jahrzehnten zerstörte sie auch im Rest von Europa ganze Ernten. Als sich die Situation langsam zu erholen begann, traumatisierten zwei Weltkriege, Hunger und Plünderungen die Bevölkerung. In der Folge wandelten sich Geschmack und Notwendigkeit und es wurde auf Masse gesetzt. 

Seit den 1980er Jahren gibt es europaweit einen erfreulichen Wandel zurück zum Qualitätsweinbau. Pioniere, vor allem in den Mittelmeerländern, experimentierten und erkannten das Potenzial vieler Weinbauregionen. In dieses Jahrzehnt fallen auch die Gründungen vieler geschützter Herkunftsbezeichnungen und man wurde sich des Weins als Kulturgut wieder bewusst. Heute ist seine Qualität in Europa so hoch wie noch nie. Und die junge Winzer:innen-Generation treibt sie noch weiter voran, mit Traditionsbewusstsein, nachhaltiger Weitsicht und Sinn für Individualität und Herkunfts-Gedanken.

Es ist vermutlich nicht gewagt, zu behaupten, dass Europa ohne den Weinbau nicht einmal halb so schön wäre, wie es ist. Viele historische Hafenstädte wären nicht entstanden, Flusslandschaften nicht erhalten worden und vielleicht wäre nicht einmal Amerika entdeckt worden.

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