Die Pioniere von Bassermann-Jordan

In der Kirchgasse 10 in Deidesheim weht seit September letzten Jahres frischer Wind. Mit Lucas Nägele übernimmt eine neue Generation die kaufmännische Geschäftsführung des Traditionshauses und löst damit Gunther Hauck nach fast 25 Jahren an der Spitze von Bassermann-Jordan ab. Kellermeister Dominik Leyrer, der schon ein paar Jahre länger dabei ist, übernimmt Anfang 2023 die technische Leitung. Ein junges Team tritt nun das über dreihundertjährige Erbe des Pfälzer Spitzenweinguts an. Der großen Verantwortung ist sich Lucas Nägele bewusst. 

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Önologen Dominic Leyrer (links) und Ulrich Mell (rechts) im Weinkeller

Dominic, du bist schon seit vielen Jahren der Kellermeister beim Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan. Wie bist du zu diesem berühmten Pfälzer Spitzenweingut gekommen?

Dominic: Ich bin schon lange hier, ich habe meine Ausbildung hier gemacht. 2003 habe ich hier angefangen und bin danach nie ganz weggekommen. Mich hat es hier immer wieder hergezogen. Ich habe immer wieder während des Studiums im Herbst hier gearbeitet. Natürlich habe ich zwischendurch auch Stationen in anderen Betrieben und auch schon im Ausland gemacht. Im Jahr 2009 wurde ich dann gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, hier einzusteigen. Seit dem bin ich hier dabei. 

In welchen Regionen im Ausland hast du genau gearbeitet?

Dominic: In Burgund, in Südafrika und hier in der Pfalz habe ich bei Bürklin-Wolf mal ein Jahr gearbeitet. 

Lucas, du bist seit Anfang des Jahres in der Geschäftsführung tätig. Wie kam es dazu?

Lucas: Bei mir war es so, dass ich vor vielen Jahren schonmal gesagt habe, es gibt zwei Weingüter, für die ich sofort arbeiten würde. Das eine ist das Weingut Niepoort und das andere ist Weingut Bassermann-Jordan. Jetzt bin ich bei Bassermann-Jordan, weil ich durch den vormaligen Geschäftsführer Gunther Hauck auf Empfehlung hergeholt wurde. Jetzt darf ich das seit Anfang des Jahres machen. Bevor ich herkam, habe ich auf dem Weingut Niepoort gearbeitet und davor im Weinhandel.

Lucas Nägele ist seit Januar 2021 in der Geschäftsführung von Dr. von Bassermann-Jordan tätig.

Als Kellermeister, bzw. Geschäftsführer bringt ihr bestimmt auch neuen Wind in das traditionsreiche Weingut. Gibt es da schon genauere Planungen, was sich am Sortiment gegebenenfalls ändert oder wo es vielleicht noch einen gewissen Feinschliff geben wird, um euch den aktuell gegebenen Marktsituationen anzupassen?

Dominic: Einen Feinschliff, wird es mit Sicherheit geben. Wir sind ja in der glücklichen Situation, dass das Weingut ziemlich gut etabliert ist und auch sehr erfolgreich in seinem Stil ist. Wir beide haben nicht die Intention, hier rein zu platzen und alles umzudrehen. Dennoch wird es eine kleine Differenzierung hinsichtlich Stilistik und Methodik geben. Wir werden wieder mehr mit Holz arbeiten, also mit dem klassischen Fass, welches es hier in der Pfalz schon vor 150 – 200 Jahren gab. Aktuell führen wir einige Experimente durch, das traditionelle Fass mit neuen Materialien wie Ton oder Keramik zu kombinieren. Das ist sehr spannend, da es die Weine nochmal salziger, mineralischer macht. Diese Kombination werden wir auch weiterführen. Einige Weine werden auch etwas aktualisiert. Wir werden versuchen, mehr Frische durch längere Maische-Kontaktzeiten oder auch teilweise Maischegärungen in die Weine zu bringen.  Den Rebsortenspiegel werden wir nicht großartig verändern. Der Betrieb steht seit 300 Jahren für Riesling. Wir haben Riesling hier in die Pfalz gebracht. Hier möchten wir uns vor allem auf unser Können konzentrieren und es optimal einsetzen.

Lucas: Auch wenn das jetzt viel nach Veränderung klingt, sind das hauptsächlich Veränderungen, die man mit einem Diamant-Feinschliff vergleichen kann. Das heißt, wir haben bereits Wein im Haus, die unsere Kunden seit vielen Jahren sehr schätzen. Wir werden diese Stilistik beibehalten. Der Bassermann-Jordan-Weinstil ist, wie er ist, schon sehr gut. Es geht viel um Innovationen, die wir einbinden können. Die meisten Dinge wird man in der Öffentlichkeit gar nicht mitbekommen, die laufen im Hintergrund ab. 

Das Weingut Dr. von Bassermann-Jordan in Deidesheim

Eines eurer neuen Projekte ist es, mit uns von Belvini zusammen die Weißweine des Jahres zu machen. Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?

Lucas: Ja,  tatsächlich war das durch einen Besuch von mir in Berlin bei Dr. Iselborn, dem neuen Geschäftsführer von Belvini. Ich glaube, es lag hauptsächlich daran, dass man sich einfach sympathisch fand, wie es so häufig ist in der Weinwelt.

Dominic: Dr. Iselborn stammt aus diesem Ort, und möchte mit uns zusammen den Pfälzer Stil in die Welt hinaus tragen. Wir sehen uns als Teil der Essenz der Pfalz. Die Zusammenarbeit mit Belvini macht uns Spaß und gibt uns eine Plattform, um uns zu präsentieren und zu zeigen, dass wir außer Riesling noch was anderes können. 

Die Weine des Jahres werden eine Hommage an die Pioniere. Wer waren die Persönlichkeiten?

Dominic:  Drei Pionier-Weine bringen wir mit Belvini auf dem Markt: Andreas, Ludwig und Friedrich. Alle drei gehörten zur Familie Bassermann-Jordan.  

Andreas war Pionier, weil er derjenige war, der den Qualitätsweinbau hier eingeführt hat. Er war der Erste, der Rebsorten-reine Weinberge gepflanzt hat, vor allem mit Riesling. Er war der Erste, der erkannt hat, dass es Sinn ergibt, die Weine nach den einzelnen Weinbergslagen zu verkaufen. Zudem hat er die Güte der Weinbergslagen erkannt und das entsprechend vermarktet. Dadurch hat er sich auch einen Wettbewerbsvorteil geschaffen und gilt gleichzeitig als eine Art Leuchtturm der Pfalz, an dem sich andere orientiert haben. Die Pfalz war bis dahin eigentlich verschrien als Schoppenwein-Gebiet. Er hat den Aufstieg der Pfalz in die Rhein-Weinliga voran geführt.

Zudem war er ein großer Freund des Süßweins. Er war derjenige, der einen Blick nach Schloss Johannisberg geworfen hat und versucht hat, die Edelfäule auch in der Pfalz zu etablieren. Diese Auslesen haben dann auch einen gewissen Wert erreicht und er konnte auch dadurch sehr erfolgreich am Markt agieren.

Lucas: Süßwein ist auch eine Leidenschaft von uns beiden. Wir haben das Glück, dass wir hier eine große Schatzkammer haben und können Süßweine probieren, die auch mal ein bisschen älter sind. Das haben wir letztendlich Friedrich zu verdanken, weil sonst wäre, glaube ich, niemand so schnell auf die Idee gekommen, das hier zu machen. Wir sehen uns da auch in der Pflicht, diese Tradition fortzuführen.

Wer ist der nächste in der Pionier-Reihe?

Dominic:  Ludwig war der ältere der drei Bassermann-Jordan Brüder. Nach der jordanischen Teilungen hat die eine Tochter den Bassermann aus Mannheim geheiratet und ihn hier nach Deidesheim geholt. Ludwig war eigentlich derjenige, der dafür vorgesehen war, hier das Weingut zu übernehmen und war Weinbau-politisch sehr aktiv. Er war Mitbegründer des VDP hier in der Region, sprich dem Vorläufer des VDP.  Als Ortsbürgermeister hier im Ort hat er sich natürlich dann zwangsläufig auch sehr für die landwirtschaftlichen Interessen eingesetzt, auch im bayerischen Parlament.  Auch dem ersten deutschen Weingesetz hat er Anfang des 20. Jahrhunderts die entscheidende Prägung gegeben. Hiermit hat er die Pionierleistung erbracht, den deutschen Wein auf Weltniveau zu setzen, mit gesetzlich nachvollziehbaren Leitlinien. Leider ist er dann recht früh verstorben, im Ersten Weltkrieg. 

Ja, und was dann sein Leid war, war das Glück seines jüngsten Bruders, Friedrich.

Dem dritten in der Pioniere-Reihe.

Dominic:  Genau. Friedrich war eigentlich von Hause Historiker und hat sich sehr intensiv mit der Geschichte des Weinbaus auseinandergesetzt. Er hat “Die Geschichte des Weinbaus” geschrieben, ein absolutes Standardwerk, auch für mich im Studium und darüber hinaus. Es ist das Nachschlagewerk Nummer eins, wenn man dann über die weinbauliche Historie bis zurück in die persische-römische Zeit recherchieren will. Aber auch jetzt gerade aktuell im Hinblick auf den Klimawandel kann man wunderbar entdecken, wie früher unter schwierigen Bedingungen Wein erzeugt wurde, z.B. mit alternativen Rebschnitt-Methoden. Der Friedrich hat vielleicht weniger den internationalen oder nationalen Weinbau geprägt, aber hat uns einen großen Fundus an Wissen hinterlassen, an dem er von 1914 bis in die 60er Jahre, bis zu seinem Tod, gearbeitet hat. 

Lucas: Ich denke, du hast da etwas sehr Wichtiges gesagt. Er hat dem Weingut viel gegeben. Dieser Anspruch der ehrlichen, vollständigen Qualität des Weins, kommt von ihm. Wir sind als Bassermann-Jordan dazu verpflichtet, diesen Qualitätsstandard, den uns unsere Pioniere gezeigt haben, aufrechtzuerhalten. Selbstverständlich nutzen wir auch gewisse Möglichkeiten und Trends. Gleichzeitig bleiben wir der Tradition und in diesem Qualitätsdenken ganz klar verpflichtet. Keinen Schritt zurück, sondern immer einen kleinen Schritt nach vorne. Das ganze aber auch sehr behutsam. 

Du hast es eben schon mit dem Blanc de Noir angesprochen, dass sich teilweise der Charakter der Pioniere selbst in der Linie widerspiegelt. Siehst du noch weitere Zusammenhänge, wie sich der Charakter der Pioniere in den Weinen ausdrückt?

Dominic:  Die Weine spiegeln schon die Persönlichkeiten wider. Klar, der Andreas ist prädestiniert für den Riesling, weil er ihn eben auch so liebte und ihn hier etabliert hat. Der Friedrich ist der Seriöseste unter den Bassermann-Jordans. So ist auch der Weißburgunder – mächtig, rund und gesetzt. Er hat eine Spur Holz mitbekommen und das spiegelt auch seine Art wider. Der Blanc de Noir ist eher verspielt. Er ist offen und fruchtig. So ist auch wiederum der Ludwig, der kunstinteressiert war. 

Alle drei Weine stammen aus dem Jahrgang 2021. Kannst du uns etwas zum Jahrgang erzählen?

Dominic:  Der Jahrgang 2021 ist vielen im Gedächtnis geblieben, aufgrund des vielen Wassers im Sommer. Auf der einen Seite war es gut, weil die Reben gut versorgt wurden. Wir hatten eine sehr lange Vegetationsperiode, was auch gut für die Weine ist, weil sich eine tolle Aromatik herausbildet. Zum anderen was es auch schwierig. Es war herausfordernd im Pflanzenschutz. Wir hatten super viel Handarbeit im Weinberg, mussten sehr oft herausgehen und zum Teil entblättern, die Luftzirkulation zwischen den Trauben verbessern, sodass da keine Fäulnis entsteht. Es war eigentlich ein Jahr wie man es früher kannte, weil es ein so spätes Jahr mit einem kühlen Herbst war. Wir konnten uns viel Zeit für die Trauben nehmen und das hat sich auch im Aroma niedergeschlagen. Dieser Jahrgang zeigt ein profundes, dichtes Profil. Die Weine brauchen mehr Zeit im Keller als manche andere Jahrgänge. Schnell drehende Weine gibt es dieses Jahr nicht, aber die sind sehr dicht und wenn man ihnen diese Zeit lässt, zeigen sie auch eine unheimliche Vielfältigkeit. Wie wichtig Säure für den Trinkfluss ist, zeigt sich auch bei unserem Riesling, der ist mit elf Volumenprozent recht leicht. Aber genau darauf ist er auch angelegt. Man kann ihn einfach so wegschlunzen. Er lässt sich vielseitig kombinieren und passt hervorragend zu leichten Speisen. Aber man kann ihn auch einfach so trinken, mit Freunden auf der Terrasse. 

Lucas: Das ist so ein Wein, da trinkt man zu zweit eine Flasche, wenn einer nicht mittrinkt. 

Dominic: (lacht) Oder man hat gleich zwei Flaschen parat.

Wie seid ihr im Keller vorgegangen?

Dominic: Wir haben sehr viele Durchgänge gehabt bei der Lese, weil wir immer nur die perfekten Trauben haben wollten. Das war für das Team sehr anspruchsvoll und wir mussten sie nochmal genau schulen. Im Keller haben wir dann das enorme Potenzial ausgeschöpft, indem wir eine lange Maischestandzeit durchgeführt haben. Das heißt, wir haben die Trauben etwas gequetscht, sodass der Saft austritt und diesen Saft dann auf der Schale gelassen, damit er aus der Schale die Aromen herauslösen kann. Dann wurden die Weine super schonend weiterverarbeitet. Wir sedimentieren nur, das heißt, die Weine haben ein bis zwei Tage Zeit, um sich abzusetzen und etwas zu klären. Dann werden die Gärgebinde umgezogen. Der Weißburgunder war zu Teilen im Holz  und zu Teilen  im Edelstahl. Der Blanc de Noir ist zu 100 % im Edelstahl ausgebaut, weil er eben diese Frucht zeigen soll. Unser Riesling hatte auch ein bisschen Holzeinfluss, wodurch er nochmal runder wird und eine schöne Würze entwickelt. Dann ruht der Wein, bis wir ihn später füllen können. 

In diesem Jahr gibt es drei Weißweine des Jahres

Vielen Dank, ihr habt die Weine schon sehr schön beschrieben in ihrer eigenen Stilistik. Lucas, du als Sommelier, welche Speisen würdest du zu dem jeweiligen Pionier empfehlen?

Lucas: Beim Riesling hätte ich Lust auf etwas mit einer schönen Cremigkeit. Da könnte ich mir zum Beispiel ein tolles Lachs-Tatar vorstellen. Als vegetarische Variante fällt mir eine Artischocken-Crème ein. Dieses Erdige, kombiniert mit einer Fruchtigkeit. 

Für den Weißburgunder haben wir gesetztere Töne. Dazu fällt mir ein schönes Stück Steinbutt ein, schön buttrig und mit Bohnengemüse.

Dominic: Der eignet sich auch hervorragend zum Grillen.

Lucas: Auf jeden Fall. Der Blanc de Noir braucht gar nicht unbedingt eine Begleitung. Den kann man wunderbar tagsüber im Sommer trinken. Sonst kann ich mir was Fruchtiges dazu vorstellen. 
Dominic: Ja, zum Beispiel ein rosa Ceviche mit Mango und Maracuja. Leicht gedämpftes Gemüse, gerne auch in Richtung asiatische oder vegane Küche.

Unsere Empfehlung:

3er Kennenlern-Paket Pioniere 2021 – Weißweine des Jahres 2022 – Dr. von Bassermann-Jordan

Mit viel Frucht und Finesse steht Andreas für frischen und lebhaften Pfälzer Riesling-Genuss. Grüne Äpfel, saftige Pfirsiche und belebende Zitrusnoten prägen sein saftiges Geschmacksbild. Weißburgunder Friedrich gibt sich rund und geschmeidig, mit sattem und vielschichtigem Profil. Reife Birnen und süße Honigmelonen, floral untermalt von zarten Blüten, entströmen seinem feinsinnigen BukettLudwig lockt als Blanc de Noir mit duftigen Aromen und fruchtbetonter Charakteristik. Delikate Himbeeren, Rote Johannisbeeren und eine lebendige Zitrusfrische erwarten Sie.

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