Auf ein Glas mit den Weingütern Dr. von Bassermann-Jordan und Reichsrat von Buhl

Die Weingüter Dr. von Bassermann-Jordan und Reichsrat von Buhl sind zwei eigenständige Weingüter, die dennoch in ihrem Ursprung miteinander verbunden sind. Und wie es bei Geschwistern so ist, gibt es zwischen ihnen teils gewaltige Unterschiede. Und das, obwohl sie sich ein erstklassiges Pfälzer Terroir teilen! Wir haben mit Andrea Müller von Reichsrat von Buhl und Sebastian Wandt von Dr. von Bassermann-Jordan über ihr Erfolgsrezept gesprochen.

Hier geht es zu den Weinen von Reichsrat von Buhl & Dr. von Bassermann-Jordan

Manch einer kennt Sie als die Jordan’schen Weingüter. Woher kommt diese Bezeichnung?

Dr. von Bassermann-Jordan: Das Stammhaus geht auf Pierre Jordan zurück, der zu Beginn des 18. Jh. in die Pfalz eingewandert ist und das Weingut „Jordan“ – heute: Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan – gegründet hat. Am Ende der 3. Generation, nach dem Tode von Andreas Jordan, wurde das elterliche Weingut in der sog. Jordan’schen Teilung unter den drei Kindern – ein Sohn, zwei Töchter – aufgeteilt. Der Sohn Ludwig Andreas Jordan führte das elterliche Weingut Jordan als Weingut L.A. Jordan weiter. Die eine Schwester heiratete in Deidesheim einen zugewanderten Mann aus dem Hause Buhl und gründete einen eigenen Betrieb. Die andere Schwester vermählte sich mit einem Sohn aus dem Hause Deinhard und gründete ebenfalls ein eigenes Weingut – das bis 2007 als Dr. Deinhard bekannt war und später zu seinem ursprünglichen Namen von Winning zurückkehrte.

Im Gespräch mit Sebastian Wandt von Weingut Dr. von Bassermann-Jordan

Inwiefern sind Sie heute noch miteinander verbunden? Ähneln sich die “Jordan’schen Weingüter” oder würden Sie sagen, dass sie ganz verschieden sind? 

Reichsrat von Buhl: Ja, die Weingüter sind aufgrund der Historie noch tief miteinander verbunden. Ebenso sind alle drei Weingüter der gleichen Inhaberfamilie zugehörig, die die Jordan’sche Teilung wieder rückgängig gemacht und die Weingüter sozusagen wieder vereint hat. Trotzdem wird jedes Weingut mit seiner eigenen Philosophie und Mannschaft eigenständig geführt. Die Betriebe unterscheiden sich daher sehr in der Stilistik ihrer Weine, außerdem hat jedes Weingut einen eigenen Schwerpunkt neben dem Riesling. In unserem Fall ist dies Sekt.

Dr. von Bassermann-Jordan: Die Weingüter ähneln sich in der Größe. Es handelt sich mit jeweils mehr als 50 Hektar Weinbergen um relativ große Betriebe an der Mittelhaardt, die alle drei in Deidesheim ansässig sind. Viele der Top-Lagen sind in anteiligem Besitz der drei Weingüter, da bei der Teilung 1849 die bestehenden Weinberge meist zwischen den drei Geschwistern geteilt wurden. So liegen auch heute noch oft die Parzellen der drei Weingüter in den verschiedenen Lagen direkt nebeneinander. Die Stilistik und die Philosophie der drei Häuser sind sehr unterschiedlich, sodass sich die Weine nur bedingt vergleichen lassen.

Alte Jahrgänge lagern im Keller von Bassermann-Jordan

Der Schwesterbetrieb Reichsrat von Buhl ist mit der Teilung 1849 entstanden. Das Weingut Dr. von Bassermann-Jordan besteht als elterliches Weingut sogar schon seit über 300 Jahren. Das sind beträchtliche Zeiten! Wie alt ist die älteste Weinflasche in Ihrem Keller?

Dr. von Bassermann-Jordan: Die älteste Flasche eigenen Weins in unseren Kellern stammt noch aus der Zeit vor der Jordan’schen Teilung und ist aus dem Jahre 1811.

Reichsrat von Buhl: Gemessen an unserer langen Geschichte ist die älteste Flasche in unseren Kellern noch relativ jung, nämlich aus dem Jahr 1953. Durch mehrere Besitzerwechsel ist da im Laufe der Jahre wenig aufbewahrt worden, aber wir arbeiten daran, wieder eine beeindruckende Schatzkammer aufzubauen.

Sie sind Mitglied des VDP und waren sogar bei der Gründung 1910 beteiligt. Wofür steht der Verband Deutscher Prädikatsweingüter?

Reichsrat von Buhl: Wer sich wirklich für Wein begeistern kann, kommt an den Flaschen mit dem VDP. Adler nicht vorbei. Denn das Markenzeichen des VDP signalisiert Spitzenqualitäten. Alle VDP Winzer unterwerfen sich strengen Regeln, die deutlich über jenen liegen, die der deutsche Gesetzgeber für „Qualitätswein“ vorschreibt. Im Mittelpunkt stehen die Herkunft der Weine und das nachhaltige Arbeiten im Weinberg wie im Keller. Das Resultat sind Tropfen, die schon beim ersten Schluck tolle Individualität zeigen. Kein Weingut ist wie das andere – genauso wie jeder Wein seinen ganz eigenen Charakter hat. Wo sonst kann man so viele unterschiedliche authentische, handwerklich gefertigte und kulturbeseelte Weine genießen, wie unter dem Markenzeichen und den Fittichen des VDP. Adlers!

Das Weingut Reichsrat von Buhl

Dr. von Bassermann-Jordan: Der VDP ist nicht nur ein loser Zusammenschluss, sondern arbeitet auch gezielt an der qualitativen Weiterentwicklung der Weine sowie der Wahrnehmung des deutschen Weins – zumindest des seiner Mitglieder. Dadurch merken wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch international eine gestiegene Imagebildung für den deutschen Wein, der in den 70er und 80 Jahren sehr stark unter dem Eindruck von „Liebfrauenmilch“ und anderen, nicht prestigeträchtigen Tropfen sehr stark gelitten hat.

Worauf sind Sie als Weingut besonders stolz?

Dr. von Bassermann-Jordan: Viele der heute noch im Weingut arbeitenden Mitarbeiter und Kollegen haben noch mit Margit von Bassermann-Jordan zusammengearbeitet. Sie war die letzte „Grande Dame“ der Familie und ist 2002 aus dem Betrieb ausgeschieden. Bassermann-Jordan ist ein sehr traditionelles und etabliertes Haus. Zugleich entwickeln wir im Weingut immer neue Ideen und neue Weine. Wir leben Wein nach dem Motto: „Stillstand ist Rückschritt“, und versuchen das Geschäft unseres Hauses immer wieder an neue Herausforderungen anzupassen. Die Weinstilistik, für die unser Haus steht, ist eine klare, reintönig vinifizierte und auf die Frucht der Weintraube ausgerichtete Art. Die Weine sollen zugänglich sein und eine hohe Trinkfreude vermitteln. Sie sollen animieren und zum Weingenuss einladen.

Reichsrat von Buhl: Besonders stolz sind wir auf unsere Grosses-Gewächs-Lagen, vor allem deren „Ursprungsgewanne“, die wir unser eigen Nennen dürfen. Insgesamt sind wir im Besitz von acht solcher Premium-Lagen in Deidesheim, Forst und Ruppertsberg, die wir mit viel Sorgfalt und ökologischer Überzeugung bewirtschaften.

Blick von den Weinbergen vom Reichsrat von Buhl

Welchen Wein würden Sie unseren Kunden empfehlen, wenn sie ihre Weingüter noch nicht kennen?

Reichsrat von Buhl: Kunden, die unser Weingut noch nicht kennen, empfehlen wir immer unseren von Buhl Riesling. Dieser Gutswein ist der Einstieg in unsere Qualitätspyramide und die Visitenkarte des Weingutes.

Dr. von Bassermann-Jordan: Als einen unserer Paradeweine würde ich den Riesling „Auf der Mauer“ empfehlen. Es handelt sich bei diesem Wein um einen trockenen Spitzenriesling, der von Sandsteinmauern gestützten Weinbergslagen hier in Deidesheim stammt. Die Weine dieser Toplagen wachsen sozusagen oberhalb bzw. „auf der Mauer“. Es ist ein konzentrierter Spitzenwein mit viel Charakter und Typizität unserer Gegend. Zugleich ist durch seine etwas ausdrucksstärkere Art eine Harmonie zwischen Frucht und Säure erzielt, sodass er nicht nur Riesling-Freunden, sondern auch denen mundet, die es noch werden wollen. Alternativ ist der „kleine Geschwisterteil“, unser Gutsriesling, ein super Einsteiger in das Portfolio von B-J.

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